Kreditkarte statt Klingelbeutel – bargeldloses Spenden in der Kirche

Kreditkarte statt Klingelbeutel - bargeldloses Spenden in der Kirche

Vielen Banken und Sparkassen verlangen Gebühren, wenn diese Bargeld annehmen, wie zum Beispiel Münzen aus Kollekten. Einige Gemeinden handeln daher mit den Banken eigene Bedingungen aus. Und manch einer überlegt sich eine bargeldlose Alternative zum herkömmlichen Klingelbeutel.

Immer wieder das Gleiche, nach der Predigt, dem Lied und dem Gebet kreist der Klingelbeutel durch die Kirchengemeinde und sammelt Spenden für Flüchtlingshilfe oder andere Sozialeinrichtungen. Ist der Gottesdienst vorbei, zählen die Kirchenvorsteher sorgfältig und genau jede noch so kleine Geldmünze. Und dann soll möglichst schnell das Geld auf ein Konto eingezahlt werden, damit es den Hilfsbedürftigen schnell zu Gute kommen kann und nicht irgendwo herumliegt.

Doch damit gibt es, und wird es auch in Zukunft, zunehmend Probleme geben. Denn immer mehr Geldinstitute verlangen immer höhere Gebühren dafür, dass sie Münzen annehmen. Das betrifft neben den Kirchengemeinden auch Taxiunternehmen, Kioskbesitzer und andere Unternehmen. Auf der anderen Seite kann fast jeder eine kostenlose Kreditkarte beantragen. Daher ist es für viele Menschen mittlerweile üblich, alles mit Kreditkarte zu zahlen – auch Spenden oder die Taxifahrt.



Bareinzahlungen sind häufig Problem für Unternehmer

Das ist wirklich ein großes Problem. Zum Beispiel sagt der stellvertretende Pressesprecher einer Landeskirche, Benjamin Simon Hinkelmann, dazu: Die Bankgebühren werden nicht von den Spenden bezahlt, sondern die Gemeinden müssen dies aus ihren Haushalt nehmen. Eine Kirchengemeinde soll im Jahr 2016 über 1.800 Euro Gebühren für die Einzahlung von Kleingeld bezahlt haben.

Die Situation ist dabei nicht einheitlich, jedes Bankhaus legt eigene Gebühren fest. Auch die Sprecher der drei großen Bankenverbände in Deutschland bestätigen das und bemerken, dass sie keine Vorschriften in Bezug auf die Gebühren machen dürfen. Das Problem betrifft natürlich nicht nur Kirchgemeinden. Auch Unternehmer, die viel mit Bargeld zu tun haben, sind davon betroffen. Daher gehen immer mehr Unternehmen dazu über, dass Kunden mit Kreditkarte zahlen können, zumal auch für die Unternehmen die Kreditkartengebühren in letzter Zeit deutlich gesunken sind.

Warum Gebühren fürs Bargeldeinzahlen?

Warum werden die Gebühren überhaupt erhoben? Seit 2015 gilt eine Bargeldprüfungsverordnung seitens der Europäischen Union. Banken und Sparkassen müssen seitdem aufwändig prüfen, ob Münzgeld echt und unbeschädigt ist. Spezielle Maschinen seien dazu nötig, die mehrere hunderttausend Euro kosten. In der Praxis wickeln das die Banken allerdings häufig nicht selbst ab, sondern überlassen das einem Dienstleister. Der wiederum kostet den Banken natürlich auch Geld.

Gebühren sind häufig Verhandlungssache

Laut einem Finanzjurist gibt es drei Szenarien.

  1. Die Bank verlangt keine Gebühr für die Einzahlung von Münzgeld (kommt selten vor, höchstens für kleinere Beträge).
  2. Eine Bank nimmt Münzen nur noch in bestimmten Filialen an.
  3. Eine Bank verlangt grundsätzlich Gebühren, lässt sich aber auf Ausnahmen für Vereine oder Kirchengemeinden ein.

Nach Ansicht von Heinz Thomas Striegler (Finanzdezernent der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau) macht es keinen Sinn, sich über die Bundesverbände um eine einheitliche Lösung des Problems zu bemühen. Auch der Finanzbeirat der Evangelischen Kirche in Deutschland hat in diesem Sinne diskutiert. Es sei besser, mit der eigenen Bank vor Ort zu verhandeln.

Alternativen gesucht

Das Geldeinwerfen in den Klingelbeutel gehört zwar irgendwie dazu. Doch man sucht auch Alternativen. In einzelnen Gemeinden der Landeskirche in Hessen und Nassau werden Kollektenbons eingesetzt. Beispielsweise kaufen Kirchenbesucher einen Bogen für 30 Euro mit mehreren Bons in Stückelungen und können dann je nach Kollektenzweck entscheiden wie viele Bons sie in das Körbchen oder in den Beutel werfen. Zum einen wird dadurch das Münzgeld verringert, zum anderem besteht auch die Möglichkeit einer Spendenquittung.

Kollektomaten in Kirchen

Auch die evangelische Kirchengemeinde Usingen hat Ende 2012 Kollektenbons eingeführt und bisher gute Erfahrungen gemacht. Es seien durchschnittlich pro Jahr Kollektenbons im Wert von etwa 4.000 Euro eingesetzt wurden.

Auch andere Gemeinden bieten bereits solche Angebote. Die katholische Münstergemeinde in Bonn war die erste, die einen Kollekten-Automaten aufstellte bei dem man mit Kreditkarte spenden kann. Im Juli 2017 kündigte das Bistum Münster ebenfalls die Möglichkeit des bargeldlosen Spendens an. Und in Schweden, wo allgemein wenig Bargeld im Umlauf ist, stehen schon in einigen Kirchen „Kollektomaten“.