Kreditkarte kostenlos – ein leeres Werbeversprechen?

Kostenlose Kreditkarten gibt es wirklich, also Kreditkarten, bei denen dauerhaft keine Jahresgebühr erhoben wird und die zudem mit günstigen Konditionen wie dem weltweiten kostenlosen Bargeldbezug punkten können. Einige Anbieter wie die DKB setzen noch einen drauf und gewähren sogar Guthabenzinsen auf den Kartensaldo, diese Karte ist nicht umsonst oft Testsieger in einschlägigen Tests (Dispozins nur knapp über sieben Prozent). Natürlich fragt sich der Nutzer, ob es Kostenfallen geben könnte oder wie denn ein Kartenanbieter mit den kostenlosen Kreditkarten Geld verdienen will. Im Folgenden einige Optionen und Modelle aus Sicht der Kunden und der Anbieter.

Die Gebühr und die Zusatzleistungen einer Kreditkarte

Die Jahresgebühr, die viele Anbieter nach wie vor erheben, hat immer etwas mit Zusatzleistungen zu tun. Früher waren alle Kreditkarten mit Gebühren verbunden, weil sie als Bankdienstleistungen halt auch einen Aufwand verursachen. Im Online-Zeitalter erfolgt die Verwaltung größtenteils so sparsam, dass die Bank die Gebühr nicht mehr erheben muss – so, wie auch im Kreditgeschäft bei Ratenkrediten sich gebührenfreie Modelle längst durchgesetzt haben. Wo die Anbieter aus Tradition noch Gebühren erheben – teilweise recht hohe -, müssen sie dem Kunden dafür etwas anbieten. Das sind Versicherungspakete, VIP-Lounges auf Flughäfen, Klubmitgliedschaften und viele andere Services, die bei Gold-, Platin- und Black-Karten teilweise sehr hochwertig ausfallen. Nur müssen sich die Kunden fragen, ob sie diese Dienstleistungen benötigen oder nicht. Beispiel Versicherungspaket: Die Auslandskrankenversicherung auf der Kreditkarte braucht kaum jemand, wenn doch, kann er sie preiswert für den speziellen Auslandsurlaub abschließen. Deutsche sind als GKV-Patienten in einem gewissen Rahmen, als PKV-Patienten automatisch im Ausland krankenversichert. Wer also wirklich nur mit seiner Kreditkarte bezahlen will, verzichtet auf solche Zusatzleistungen und entscheidet sich für eine kostenlose Kreditkarte.



Wie verdient der Kartenanbieter mit einer kostenlosen Kreditkarte Geld?

Das müsste den Kunden eigentlich nicht interessieren, die Frage wird aber doch gestellt, weil die Nutzer heimliche Kostenfallen befürchten. Für diese Fragestellung sollen einmal zwei Gratis Kreditkarten gegenübergestellt werden: die DKB Visa und die Barclaycard New Visa. Die DKB kostet 6,9 % Zinsen p.a. bei einer Inanspruchnahme des Dispo-Kredites (es gibt auch den erwähnten Guthabenzins von aktuell 0,20 % p.a.), bei der Barclaycard New Visa sind es effektiv 18,38 % Zinsen p.a. bei einer Inanspruchnahme der Ratenzahlung. Die DKB Visa bucht alle Umsätze mit der VISA-Card einmal im Monat in voller Summe vom zugehörigen Girokonto ab. Sofern das Konto dadurch einen Sollsaldo aufweist, werden täglich Zinsen berechnet. Bei der Barclaycard New Visa gibt es eine Zahlpause von bis zu zwei Monaten. Kunden, die ihren Saldo in dieser Zeit ausgleichen, nutzen die Kreditkarte dauerhaft kostenlos. Danach werden happige 18,38 % fällig. Kunden können den offenen Saldo in sehr kleinen Raten ausgleichen: Nur 2 % der Inanspruchnahme müssen monatlich zurückgeführt werden. Das ist praktisch ein Abrufkredit, wie er heute von vielen Banken angeboten wird, allerdings bei Barclaycard und anderen Kreditkarten zu wesentlich ungünstigeren Konditionen (Abrufkredite von Banken kosten meist um 7,00 – 9,00 %). Es wird jede Menge Kunden geben, die im Urlaub oder vor Weihnachten ihren Saldo heftig belasten und dann tatsächlich sehr lange für die Tilgung brauchen – vielleicht bis zum nächsten Urlaub oder bis zu den nächsten Weihnachtseinkäufen. An diesen Kunden verdient Barclaycard richtig Geld, und das ist das Konzept dieser kostenlosen Kreditkarte. Wer nun die Wahl zwischen der DKB Karte und Barclaycard hat, muss sich im Ernst fragen, wie sein Konsum- und Schuldnerverhalten aussieht. Dann weiß diese Person, was ihr die kostenlose Kreditkarte wirklich bringt. Jedoch gibt es diese Problematik bei den kostenpflichtigen Kreditkarten natürlich auch. Allgemein sollten Ratenzahlungen mit Kreditkarten vermieden werden, die Sollzinsen sind schlichtweg zu hoch. Kreditkarten dienen vielmehr der kurzfristigen Überbrückung von finanziellen Engpässen. Das Zahlungsziel der Barclaycard New Visa beträgt bis zu 8 Wochen (abhängig davon, wie früh oder spät im Abrechnungszeitraum der Umsatz getätigt wird) und reicht somit völlig aus, um beispielsweise auf die neue Gehaltszahlung zu warten. Wer Produkte oder Dienstleistungen finanzieren möchte, sollte das weder mit Hilfe des Dispo-Kredites noch durch Ratenzahlungen mit einer Kreditkarte tun. Ein Konsumentenkredit ist hier stets die bessere Wahl.



Sind kostenlose Kreditkarten ein Nepp mit heimlichen Kosten?

So etwas gibt es auch. Manche kostenlosen Kreditkarten verlangen nicht einmal besonders hohe Zinsen, vielleicht um 12 – 13 %, was im Bereich der Dispozinsen von Filialbanken liegt. Jedoch können Bargeldabhebungen sehr teuer sein. Hier muss hingeschaut werden, und zwar ins Kleingedruckte. Der Slogan “weltweit kostenlos Bargeld” muss nicht stimmen, im Nicht-Euro-Ausland werden praktisch immer Währungsübertragungen mit einer Gebühr belegt. So gibt es kostenlose Kreditkarten, bei denen eine Abhebung 4 % des Betrages kostet. Zuzüglich der Fremdwährungsgebühr in Höhe von 1,75 % des Betrages können so bei einer Abhebung von 100 Euro schnell 5-6 Euro Kosten entstehen.  Wer sich für kostenlose Kreditkarten interessiert, muss die tatsächlichen Kartenbedingungen der Anbieter lesen, die auch im Internet veröffentlicht werden, aber aus dem Getöse der Werbung nicht hervorgehen. Ein gutes Mittel ist es sicherlich, auf Tests zu schauen und die Testsieger in die engere Wahl zu ziehen.

Fazit: Banken müssen mit Kreditkarten Geld verdienen. Bei allen Angeboten können Kosten anfallen, müssen aber nicht. Wer genau hinschaut und die Kreditkarte im Rahmen der kostenlosen Möglichkeiten nutzt, muss keine Gebühren fürchten. Der Kunde sollte unbedingt in Erfahrung bringen, welche Kosten außerhalb der europäischen Euro-Zone anfallen können, also z.B. in der Schweiz, England, Norwegen oder USA. Innerhalb der Euro-Zone fallen bei vielen Kreditkarten keine Gebühren mehr an, weder für Kartenzahlungen noch für Verfügungen am Geldautomaten.

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